Gitarre stimmen

GrundsÀtzliches

Es gibt mittlerweile eine Unzahl von elektronischen StimmgerĂ€ten in unterschiedlichen GrĂ¶ĂŸen & Preisklassen oder auch konventionelle Hilfsmittel, wie z.B. Stimmgabeln oder Stimmpfeifen.
Doch haben immer noch sehr viele Gitarristen grĂ¶ĂŸte Probleme mit der Stimmung ihres Instrumentes - nicht etwa, weil es an Hilfsmitteln fehlt, sondern weil die Gitarre einfach nicht die Stimmung hĂ€lt und dauernd nach gestimmt werden muss.
Das ist nicht nur Ă€rgerlich fĂŒr den Gitarristen selbst, sondern bei Konzerten auch Ă€ußerst unangenehm fĂŒr das Publikum, weil es zu unnötigen Verzögerungen kommt.
Daher macht es Sinn, sich mal ĂŒber die Ursachen gedanken zu machen, warum sich das eigene Instrument dauernd verstimmt - obwohl es sich möglicherweise um ein hochwertiges Teil handelt.

Folgende Bauteile können die Ursache fĂŒr ein stĂ€ndiges Verstimmen sein:

Die Wirbel

Stell Dir einmal einen Baum vor, um den Du ein dickes Seil wickeln willst. Wenn Du es einfach "vogelwild" um den Baumstamm wickelst, ĂŒbereinander und untereinander, mal stramm, mal locker, wirst Du am Ende beim Festziehen des Seiles merken, dass es immer noch ein bißchen nachgibt. Du kannst immer wieder mit aller Kraft daran ziehen, ein paar Zentimeter wird es Dir immer wieder entgegen kommen - egal wie oft Du es versuchst.
WĂŒrdest Du aber das Seil nochmal neu um den Stamm wickeln und darauf achten, dass alle Windungen unter- oder ĂŒbereionander liegen, ohne dass sich das Seil irgendwo ĂŒberkreuzt, wirst Du am Ende feststellen, dass das Seil nach kurzer Zeit sich so fest gewickelt hat, dass es keinen Zentimeter mehr nachgibt.
Genauso verhĂ€lt es sich mit Gitarrenseiten.. Wenn diese schlampig um die Wirbel gewickelt werden, geben diese immer wieder ein wenig nach und verstimmen so die Gitarre. Sind aber alle Wicklungen sauber untereinander, wobei darauf zu achten ist, dass die ersten 1-2 Wicklungen ĂŒber dem Loch im Wirbel liegen, alle weiteren darunter, damit die Saite eingeklemmt wird.
Durch diese Methode hat man den ersten und am hĂ€ufigsten vorkommenden "Störer" beseitigt. Will man sich keine Gedanken machen ĂŒber Anzahl und QualitĂ€t von Wicklungen, besorgt man sich Klemm-Mechaniken - dann gibt es an dieser Stelle auch keine Probleme mehr und das Saitenwechsel geht wesentlich schneller.
Solche Teile gibt es zum Beispiel bei AMAZON hier:

Der Sattel

Wenn die Saiten am Sattel eingeklemmt werden und ĂŒberhaupt kein Spiel in der Kerbe haben, fĂŒhrt dies ebenfalls hĂ€ufig zu Verstimmungen. Das kann unter anderem der Fall sein, wenn sehr dicke Saiten aufgezogen werden, fĂŒr die der Sattel eigentlich nicht gedacht ist. Manchmal liegt es auch am Material, wenn es zu weich ist, so dass sich die Saite nach einiger Zeit darin "eingrĂ€bt".
Abhilfe schafft neben dem Auffeilen der vorhandenen Kerben die Verwendung etwas bessere Knochen- oder Grafit-SÀttel. Eine sehr edle Lösung, die auch schon gelegentlich bei etwas teureren Gitarren realisiert wird, ist der Einbau eines Rollensattels, bei dem es zu keinerlei Reibung mehr kommen kann.
Letzteres sollte jedoch von einem erfahrenen Gitarrenbauer vorgenommen werden.

Der Steg

Auch am Steg können die Saiten manchmal blockiert werden, zum Beispiel durch scharfkantige oder angerostete Saitenreiter. In den meisten FĂ€llen genĂŒgt ein anfeilen der Teile - sollte aber auch besser von einem Fachmann durchgefĂŒhrt werden.
Die "Luxus"-Lösung fĂŒr dieses Problem wĂ€re ein solcher Rollensteg.

Das Tremolo

Bei einer Gitarre mit Tremolo wirken sich die zuvor genannten Fehlerquellen natĂŒrlich deutlich krasser aus, denn die Saiten werden beim Tremolieren ge- und entspannt, so dass sie viele Möglichkeiten haben, die Stimmung zu verlieren.
Sofern die Gitarren mit einem "normalen" Vintage-Style-Tremolo ausgestattet ist, sollte man ganz besonders darauf achten, dass zum einen die Saiten glatt ĂŒber den Sattel laufen, die Anzahl von Windungen um die Wirbel so niedrig wie möglich gehalten wird und diese auch sich nicht ĂŒberkreutzen.
Auch hier ist die Verwendung von Klemm-Mechaniken eine beliebte Lösung, die Stimmung stabil zu halten.
Ist die Gitarre mit einem Floyd-Rose-Style-Tremolo ausgestattet, hat man in der Regel keine derartigen Problem, da die Saite oben und unten fest geklemmt ist, so dass sie keinerlei Spielraum hat.

Die Oktav-Reinheit

Hin und wieder stellt man auch fest, das Akkorde in den unteren Lagen gut klingen, in den höheren eher schrĂ€g und verstimmt. Das liegt dann ĂŒblicherweise daran, das die einzelnen Saiten nicht oktavrein eingestellt sind.
Am besten ĂŒberprĂŒft man dies mit einem StimmgerĂ€t, indem man den Ton der leeren Saiten mit der Oktave hinter dem 12. Bund vergleicht. Ist dieser höher oder tiefer, muss der entsprechende Saitenreiter am Steg eingestellt werden und so die freischwingende SaitenlĂ€nge verlĂ€ngert bzw. verkĂŒrzt werden.

Die QualitÀt der Saiten

Ganz selten hat man es bei instabiler Stimmung mit minderwertigen Saiten zu tun. Sind diese z.B. stellenweise ungleichmĂ€ĂŸig dick, was sich im 1000stel Milimeter-Bereich bewegt und fĂŒr das Auge nicht sichtbar ist, dann fĂŒhrt auch dies zu Verstimmungen.
Im Zweifelsfall verwendet man bekannte Marken-Saiten, die kosten auch nicht mehr die Welt.

Die StabilitÀt des Halses

Entwas hĂ€ufiger hat man es mit schwachen Hölzern des Halses zu tun. Zieht man den Hals einer Gitarre zu sich ran und bewirkt damit, dass die Saiten auf den BĂŒnden aufliegen, so ist das Holz einfach schwach. Es verzieht sich dann schon bei Temperatur-Unterschieden derart, dass die Stimmung dahin ist und auch beim Spielen verĂ€ndert sich der Ton, wenn man nur etwas "unvorsichtig" spielt. In dem Fall kann man nicht wirklich viel machen, bestenfalls mal die Spannung am Halsstab kontrollieren, ob dieser nicht locker ist - ansonsten hilft's nur, den Hals zu ersetzen oder sich eine neue Gitarre zu kaufen, z.B. in der Gitarrenfundgrube.

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